In Corona-Zeiten ist einiges anders. Mit MS Helgoland auf die deutsche Hochseeinsel.

HELGOLAND. Mit MS Helgoland zum roten Felsen. Eine Tour, die viele schon gemacht haben, auch schon vor Corona-Zeiten.

Diesmal ist vieles doch anders. Mehrere Papiere müssen ausgefüllt und abgegeben werden, bevor man an Bord darf. Dort ist es nicht so voll wie sonst, denn Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Die Besatzungsmitglieder schicken die Passagiere zu ihren Plätzen. Während der Fahrt weisen Pfeile in Tigerentenfarben den Weg, der auch durchaus mal einen Umweg bedeuten kann. Wer aufsteht, muss sich seine Mund-Nasen-Maske aufsetzen. Vergessen? Dann kommt ein dezenter und dennoch deutlicher Hinweis. Ebenso, wenn die "Gehrichtung" im Einbahnstraßenverkehr nicht eingehalten wird. Auf der Brücke bei Kapitän Ewald Bebber ist alles wie sonst auch. Der Routinier kennt sein Schiff in- und auswendig, weiß, welche Klippen er umschiffen muss. Und doch fällt plötzlich etwas ins Auge, was eigentlich sonst nicht in der Nähe der Brücke steht. Ein nagelneues Modell der "Fair Lady". Ralf Thorein aus Bassum hat fast ein Jahr an diesem faszinierenden Modell im Maßstab 1:75, das auch über ein Innenleben (Licht, Figuren, etc.) verfügt, gebaut. Und das nicht ganz ohne Grund, denn Kapitän Ewald Bebber ging am 1. August 1991 als 1. Offizier an Bord der "Fair Lady" der Reederei Cassen Eils und wollte eigentlich nur sechs Wochen bleiben...

Von 1995 bis 2001 war Bebber Stammkapitän der "Fair Lady", von 2001 bis 2005 Kapitän auf der "Flipper" und dann bis 2014 Kapitän der "Atlantis". 2014/15 übernahm er die Bauaufsicht für "MS Helgoland und ist seit 2015 Stammkapitän von MS Helgoland und Chefkapitän der Cassen Eils-Flotte. Somit ist er zuständig für Personalplanung und Sicherheit. Und beim Thema Sicherheit spielt eben auch die aktuelle Coronavirus-Pandemie eine große Rolle.

Hygienekonzept erarbeitet und auch umgesetzt

"Da gab es einiges zu planen, schließlich konnten wir am Anfang der Pandemie natürlich nicht mehr über den normalen Fahrplan verfügen. Doch Helgoland musste ja weiter versorgt werden und so sind wir anfangs zwei Mal die Woche mit system-relevanten Arbeitskräften nach Helgoland gefahren. Bei der ersten Lockerung konnten wir dann drei Mal fahren. Natürlich haben wir uns auf eine Normalisierung des Betriebes vorbereitet und das intensiv. Wir haben Hygienekonzepte erarbeitet und umgesetzt. Haben uns dann mit den Behörden kurzgeschlossen und Tipps eingeholt. Dann haben wir unsere Maßnahmen intern ausprobiert, Feintuning betrieben und gemerkt, dass wir auch unter den behördlichen Auflagen dank unseres Konzeptes in der Lage sind, einen halbwegs normalen Betrieb, eben mit weniger Passagieren, garantieren zu können", schildert der Kapitän.

Wieder zurück unter Deck kann ich hautnah erleben, dass sich die Masse der Passagiere an die Vorgaben hält. Hier wird mal das aufsetzen der Maske vergessen, was schnell selbst oder nach einem freundlichen Hinweis eines Besatzungsmitgliedes korrigiert wird. Ohne zu murren. Mal ist eine Fußgängerin oder ein Fußgänger in der falschen Richtung unterwegs. Da kommt dann auch mal der Hinweis aus dem Kreis der Passagiere "Falsch abgebogen!".

Wir laufen in den Helgoländer Hafen ein. Auch hier gibt es Abweichungen vom normalen Ablauf. Die Passagiere werden zur Gangway geführt. So gibt es keine Staus, Verletzungen der Abstandsregeln werden vermieden. Auch daran gewöhnt man sich schnell... Herwig V. Witthohn