Aktion: Gegen das Vergessen. In Gedenken an Pastor Kurt Müller.

Etwas versteckt, am Rande des Hechthäuser Friedhofs liegt die Grabstelle von Pastor Kurt Müller und seiner Frau Illa. Wolfdietrich Elss, Dirk Vollmers, Uwe Dubbert, Bodo Neumann (von links) und Hans-Gerhard Alstedt (nicht auf dem Foto) haben sie wieder zugänglich gemacht und die Geschichte aufgearbeitet. Foto: Schult

Etwas versteckt, am Rande des Hechthäuser Friedhofs liegt die Grabstelle von Pastor Kurt Müller und seiner Frau Illa. Wolfdietrich Elss, Dirk Vollmers, Uwe Dubbert, Bodo Neumann (von links) und Hans-Gerhard Alstedt (nicht auf dem Foto) haben sie wieder zugänglich gemacht und die Geschichte aufgearbeitet. Foto: Schult

HECHTHAUSEN. Auf dem Hechthäuser Friedhof befindet sich eine Grabstelle mit einem besonderen Stein. Ein christliches Kreuz mündet in einen jüdischen Davidstern.

Hier liegt der evangelische Pfarrer Kurt Müller (1902-1958) begraben. Kurt Müller ist heute ein fast Vergessener. Darum haben Bodo Neumann, Wolfdietrich Elss, Dirk Vollmers, Hans-Gerhard Alstedt und Uwe Dubbert in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein die Grabstelle des Pastors Kurt Müller und seiner Frau Illa von Gestrüpp befreit, gereinigt und wieder zugänglich gemacht. Kurt Müller hat sich in den 1930er-Jahren zunächst als Anwalt für Verfolgte des NS-Regimes eingesetzt, erhielt dafür Berufsverbot und kam ins Gefängnis.

Anschließend studierte er Theologie, wurde Pfarrer in Stuttgart und bekam regelmäßig "Besuch" von der Gestapo in seinen Gottesdiensten. Während der Kriegsjahre hat Kurt Müller eine Untergrundorganisation gegründet, zu der eine Hauskette mit wechselnden Verstecken gehörte. Eines davon war das Gut Övelgönne in Hechthausen, das damals im Besitz naher Verwandter war. So wurden jüdische Mitbürger quer durch Deutschland bis zur Flucht ins Ausland geschleust. Mehrere Hundert Juden sind so vor dem sicheren Tod bewahrt worden. Zivilcourage, die NS-Richter damals mit der Todesstrafe ahndeten. Kurt Müller hat für seine Verdienste einen Ehrenplatz als "Gerechter unter den Völkern" in der israelischen Gedenkstätte "Yad Vashem".

Informationsveranstaltung am Freitag, 21. Juni

Der Heimatverein Hechthausen möchte nun Kurt Müllers Lebensleistung und die seiner Frau Elisabeth würdigen und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Eine vom Heimatverein, dem Kulturkreis und der evangelischen Kirchengemeinde unterstützte Gedenkveranstaltung "Gegen das Vergessen - Erinnerungen an Pastor Kurt Müller" findet am Freitag, 21. Juni, um 19.30 Uhr, auf dem Gut Ovelgönne in Hechthausen statt.

Schüler präsentieren Projektarbeiten

In Anwesenheit von Kurt Müllers Tochter, Annette Kitt aus Wien, wird Prof. Eberhard Busch von der Universität Göttingen (Autor der Biografie Kurt Müllers) einen Vortrag halten. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung durch die Musikschule An der Oste und freundlich unterstützt durch die Kulturstiftung der Weser-Elbe-Sparkasse. Bereits ab 19 Uhr präsentieren Schüler des Gymnasiums Warstade ihre Projektarbeiten zu diesem Thema. Nach dem Vortrag sind Prof. Busch und Anette Kitt bereit, Fragen zu beantworten. ts

www.heimatverein-hechthausen.de