Torfstechen wie in alter Zeit. ARGE Vierseenplatte erinnert an die schwere Arbeit.

Mitglieder der ARGE Vierseenplatte zeigen Besuchergruppen, wie mühselig es früher war, Torf von Hand zu stechen und weiterzuverarbeiten. Foto: Pülsch

Mitglieder der ARGE Vierseenplatte zeigen Besuchergruppen, wie mühselig es früher war, Torf von Hand zu stechen und weiterzuverarbeiten. Foto: Pülsch

WANNA. Es gibt immer noch den einen oder anderen, der das Torfstechen nach alter, traditioneller Art beherrscht, entweder, weil er einstmals selbst bei dieser schweren Arbeit helfen musste, oder es sich von Erfahrenen angeeignet hat.

In früheren Jahrzehnten, als es noch keine Ölöfen oder Gasheizungen gab, gehörte das Torfgraben zu den üblichen Arbeiten im Frühjahr. Man benötigte ihn im Winter, um ihn zusammen mit Bruchholz, das man im Wald gegen Bezahlung selbst schlagen musste, in Kachelöfen zu verbrennen. Außer für den Eigenbedarf bauten manche Bauern auch Torf ab, um ihn im Sietland oder Land Wursten zu verkaufen und die Einnahmen des Hofes aufzubessern.

Die heute von der ARGE im Ahlenmoor betriebene Moorkuhle ist nur ein Schautorfstich. Der dort gewonnene Torf ist ein typischer, grauer Hochmoortorf, der als Brennmaterial nicht geeignet ist. Im Vergleich zum tiefer sitzenden, aber schwer zugänglichen schwarzen Torf ist der Brennwert so gering, dass sich das Verfeuern nicht lohnt. Früher grub man den Torf nach allgemein anerkannten Verfahren mit festen und bewährten Regeln. Ein oder zwei Torfgräber standen in der Moorkuhle und schnitten den metertiefen Boden zunächst in senkrechte Scheiben und diese danach mit einem speziellen Messer auf Länge.

Pferde trugen Holzschuhe, um nicht einzusinken

Man nannte das auf Plattdeutsch "achter langs schnien", damit schließlich mit einem waagerechten Schnitt Soden mit einer gleichmäßigen Länge gestochen und auf den Rand der Kuhle gesetzt werden konnten. Von dort brachte man die Soden mit einer Schubkarre oder auf von Pferden gezogenen Brettern zum Trockenplatz. Damit die Pferde nicht im feuchten Moorboden versanken, zog man ihnen "Peerholschen" an, grobe, aus Holz gefertigte Schuhe für die Hufe, die mit Riemen festgezurrt wurden.

Den Torf stapelte man zum Abtrocknen paarweise und rechtwinklig in drei Schichten aufeinander und setzte ihn um, wenn er nach vier bis fünf Wochen halbwegs getrocknet war. Man nannte dies "Umringeln", weil die Soden ringförmig in höheren Haufen neu aufgesetzt wurden. So konnte der Wind besser hindurch wehen und sie endgültig trocknen. Einige Wochen später fuhr man den Torf entweder ein oder schichtete ihn zu großen Haufen auf, wenn der Lagerraum beim Hof fehlte oder er in Regionen ohne eigene Torfgewinnung verkauft werden sollte.

Wegen der heutigen, modernen Heiztechnik ist das Torfgraben in Vergessenheit geraten, und kaum jemand weiß mehr die einst anstrengende Arbeit zu schätzen. Um die Erinnerung daran wachzuhalten, pflegt die Arbeitsgemeinschaft Vierseenplatte die traditionelle Prozedur im Flögelner Teil des Ahlenmoors und führt sie gelegentlich Besuchergruppen vor. Statt Schubkarre oder Schleppbrett kommt dabei wegen der zahlreichen Helfer manchmal das Weiterreichen der Soden in einer Personenkette zum Einsatz.

Klaus Pülsch