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Da kommen einem gleich ein paar klischeehafte Bilder in den Kopf: Tequila, „Mariachis“ (singende Mexikaner) und natürlich Drogen und Korruption. Das waren auch die meisten Worte, die ich hörte, als ich beschloss für ein halbes Jahr, von Januar bis Ende Juni, nach Mexiko Stadt zu gehen, um dort als Au-pair zu arbeiten. Wie sich herausstellte, treffen einige der Klischees natürlich zu – und doch war alles ganz anders. Generell kann man sich als Frau sicher bewegen, wenn man nicht gerade in Stadtteile geht, die als gefährlich gelten. Auf den Straßen gibt es überall leckere Essensstände, meistens mit Tortillas: Maisfladen und Fleisch mit Kartoffeln, Bohnen und natürlich ganz viel Chili, Hot-Dog-Stände und Hamburger, die auch bei den Mexikanern sehr beliebt sind. Dazu viel frisch gepresste Säfte, gerne aber auch noch einmal mit extra Zucker. Neben meiner Arbeit als Au-pair in einer netten halb-spanischen, halb-mexikanischen Familie lernte ich nach einiger Zeit andere „Au-pair-Mädels“ kennen. Gemeinsam entdeckten wir das Nachtleben der riesigen Metropole. Es fühlte sich fast wie New York an, gemixt mit Lateinamerika und wahrscheinlich tausendmal chaotischer und bunter, voller Kunst und Magie. In der gesamten Zeit hatte ich einen Monat zum Reisen und erkundete alleine oder mit Freundinnen Land und Leute. Doch wohin? Mexiko hatte alles: Dschungel, Strand, Karibik, Atlantik und überall Pyramiden. Ich beschloss dorthin zu reisen, wo ich so schnell nicht noch einmal hinkommen würde: in die Karibik. Es wurde der Ort Tulum. Das Meer ist genauso blau wie in Cancun. Dort fand ich einen Campingplatz direkt am Strand, wo man für ein Zelt, Schlafsack und Schlafplatz 100 Pesos (umgerechnet 5 Euro) bezahlt. Schon die erste Nacht war ein Erlebnis, als mich der „Campingbesitzer Max“ und zwei französische Jungs weckten, um uns eine große Schildkröte zu zeigen, die an den Strand kam, um dort ihre Eier zu vergraben. Nach einem Tag merkte ich, dieser Ort war besonders. Alle Leute, die hier Urlaub machten, hatten eine Geschichte und waren friedlich und vor allem: zufrieden. Ich hatte sogar das Glück beim Tauchen zum ersten Mal Clownfische zu sehen. Tulum ist der einzige Ort in ganz Mexiko, wo Pyramiden am Strand gebaut worden sind. Außerdem liegt ein riesiges Korallenriff im Wasser, das zu den größten der Welt zählt. Doch am interessantesten sind die Menschen, Mexikaner wie Touristen und Auswanderer, die in Tulum leben. Viele strahlen komplette Ruhe und Gelassenheit aus. Auf dem Campingplatz leben viele Backpacker, manche für mehrere Monate. Ich traf eine aus Argentinien stammende „Gypsy“-Familie, die mit ihrem Baby Luca seit vier Monaten dort lebte. Gekocht wurde am Feuer. Von „Wifi“ keine Spur. Doch niemand schien es zu vermissen. Wenn jemand kochte, gab jeder etwas dazu, eine Tomate oder die Pasta, und es wurde gemeinsam gegessen. Es ist ein leichtes Leben, auch ein bisschen Überlebenskunst ohne Vorschriften. Wer Lust auf Abenteuer hat und ein bisschen an Magie glaubt, dem ist Mexiko sehr ans Herz zu legen. Das teuerste ist der Flug, da die Preise im Land relativ niedrig sind. 19 Au-pair in Mexico Fotos: Büttner


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