151028_cuk_015

151028_CUK

28. 10. 2015 STADT& LAND KURIER 15 Kartoffelernte bei Familie Woltmann in Bovenmoor. Alle Fotos: Archiv Hoppe KARTÜFFELSUPP. Huppdilupp, Kartüffelsupp, de eet wi alle Daag, un sünndags sünd wi noch nich free, denn giff dat noch Kartüffelbree. Wer kann sich heute noch die Küche ohne Kartoffeln vorstellen? Dabei ist die Kartoffel in unseren Breiten noch gar nicht so lange heimisch. Ursprünglich stammt sie aus den Anden. In einem Reisebericht aus der Mitte des 16. Jahrhunderts wird erzählt, dass diese Frucht im Hochland der Anden eine große Rolle spielte. Ja, die Inkas verstanden es sogar, sie haltbar zu machen. Dabei wurden die Kartoffeln tagsüber der Sonne und nachts der Kälte ausgesetzt. Damit waren die Indios praktisch die Ersten, die ein Verfahren zur „Gefriertrocknung“ kannten. Über Spanien gelangte dann die Kartoffel nach Europa. Als der Herzog von Braunschweig 1586 die ersten fünf Kartoffeln als Geschenk der englischen Königin Elisabeth erhielt, zog man sie zunächst in Blumentöpfen auf. Man schätzte sie anfänglich wegen ihrer Blüten. Es dauerte noch eine lange Zeit, bis man ihren Wert erkannte. Zum eifrigen Förderer des Kartoffelanbaus im Land Hannover wurde Albrecht Thaer (1752 - 1828). Er war ein führender Kopf der Celler Landwirtschaftsgesellschaft, die bereits 1765 eine Empfehlung zum Kartoffelanbau herausgegeben hatte. Widerstand gegen den „ollen Düwelskram“ Bei der Bevölkerung stieß der Anbau der neuen Pflanze auf heftigen Widerstand. Dass man die Kartoffel zunächst für giftig hielt, ist verständlich, denn sie gehört zu den Nachtschattengewächsen. Es war schwer zu erklären, dass nur die oberirdischen Pflanzenteile giftig sind, die Knollen aber nicht. Noch in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wehrten sich die Menschen in der Lüneburger Heide gegen den „ollen Düwelskram“. Schließlich bedrohte Friedrich Wilhelm I. seine Untertanen damit, er werde ihnen Nase und Ohren abschneiden lassen, falls sie keine Kartoffeln pflanzen wollten. Sein Sohn Friedrich II. (der Große) wandte sogar einen Trick an, mit dem er das Ansehen der Kartoffel steigerte. Es wird berichtet, dass er die königlich-preußischen Versuchsäcker tagsüber streng bewachen ließ. Dadurch entstand bei der Bevölkerung der Eindruck, dass die Kartoffel etwas ganz Wertvolles sein müsste. Nachts, wenn die Felder unbewacht blieben, wurden sie immer wieder leergeplündert. Auf diese Weise verbreitete sich das kostbare Pflanzgut schnell über das ganze Land. Immer mehr Menschen fanden allmählich Geschmack an der Kartoffel, und endlich wurde sie ganz offiziell angebaut. Ein Glück für die Bevölkerung. Die Kartoffel erwies sich denn auch als wahre Wohltäterin: Bei steigender Bevölkerungszahl, Getreidemissernten sowie in Kriegszeiten wurde sie zum „Brot der Armen“. Wie unentbehrlich sie geworden war, zeigte sich, als Mitte des 19. Jahrhunderts ganze Kartoffelfelder von der Kartoffel-Faulseuche befallen und Nahrungsmittel sehr knapp wurden. Jetzt erst wusste man um ihren großen Wert. Besonders gut wuchsen die Knollen auf leichten Sandböden. So verwundert es nicht, dass auf der Geest der Kartoffelanbau eine wichtige Rolle spielte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sogar jedes kleine Stückchen Gartenland mit einigen Reihen Frühkartoffeln bepflanzt. Mit Salz bestreut, wurden sie zur Delikatesse. Die Kartoffelernte – Arbeit für viele Die Ernte erforderte viele Helfer. Man unterstützte sich in der Nachbarschaft, und holte mit vereinten Kräften die Kartoffeln aus der Erde. „Kartüffel kleien“ nannte man das Herausklauben der Knollen aus der aufgepflügten Erde. Dabei mussten auch die Schulkinder mithelfen, die dafür extra Kartoffelferien bekamen. Mit einem Drahtkorb in der Hand kroch man über das Feld. War der Korb voll, schüttete man die Kartoffeln in Säcke, die auf dem Feld auslagen. Wer damals selbst bei der Ernte dabei war, weiß, wie am Abend der Rücken schmerzte. Aber er weiß auch, wie wichtig es war, für den Winter vorzusorgen. Das Einkellern von Kartoffeln war lebensnotwendig. Selbst in der Stadt sorgte man für Wintervorrat. Etliche Bauern fuhren im Herbst mit ihren Ackerwagen in die Stadt, um die Stammkunden mit den braunen Knollen zu beliefern. Einige ältere Einwohner erzählten mir, dass sie bei all den Strapazen, die die Kartoffelernte mit sich brachte, ihr auch eine gute Seite abgewinnen konnten: Es wurden nämlich Schnecken (ein leckeres Hefegebäck) aufs Feld gebracht, und die Männer bekamen selbst gebrautes Bier in Steinkrügen (Bortmann). Auch manche Schulkinder freuten sich besonders darauf, wenn sie bei Kantor Marquard im Schulgarten Kartoffeln buddeln durften. Dafür gab’s dann zur Belohnung Kuchen. Das „Stoppeln“ war damals sehr beliebt. Wenn die Felder offiziell abgeerntet waren, gingen viele Menschen noch einmal mit Harken los, um nach den vergessenen Kartoffeln zu suchen. So mancher konnte sich dabei noch einen guten Vorrat sammeln. Man ließ nichts umkommen. Die Städter machten nach dem 2. Weltkrieg beschwerliche Fahrten aufs Land, nur um ein paar Kartoffeln zu ergattern und damit den größten Hunger zu stillen. Damit man im Herbst eine gute Ernte einfahren konnte, wurde darauf geachtet, dass die Pflanzen gesund heranwuchsen. In manchen Jahren wurden die Felder vom Kartoffelkäfer befallen. In solchen Zeiten kamen die Schulkinder zum Einsatz. Ganze Kolonien von Kindern sah man mit Dosen durch die Felder laufen, um die Schädlinge einzusammeln. Kartoffelsucher sieht man heute nicht mehr. Die Kartoffelernte wurde dank moderner Maschinen im Laufe der Jahre wesentlich einfacher. Die Ernte ist automatisiert. Viele Arbeiten, die nach der Ernte erledigt wurden, kennt heute auch kaum noch jemand. Dazu gehört z.B. das mühsame Herstellen von Kartoffelmehl oder das Kartoffeldämpfen fürs Vieh. Und den Geruch der Kartoffelkraut Feuer auf den Feldern im Spätherbst gibt es nicht mehr. Kartoffelsaison das ganze Jahr. Wir leben heute in einer Zeit, in der wir hierzulande zu jeder Jahreszeit alles kaufen können. Die heutigen Wohnungen ermöglichen es auch vielen Menschen gar nicht mehr, Wintervorräte anzulegen. Viele Länder haben sich inzwischen spezialisiert auf den Export von Kartoffeln nach Deutschland. So liefert zum Beispiel Israel im Januar schon die ersten Kartoffeln in unsere Läden. Auch wenn Reis- und Nudelgerichte im Laufe der Zeit unsere gute Kartoffel etwas verdrängen, so finden sich noch viele Kartoffel-Liebhaber. Welche Fülle kulinarischer Spezialitäten es inzwischen gibt, lässt sich kaum aufzählen. Dazu ist die Kartoffel kein „Dickmacher“, wie von einigen behauptet wird, sondern ein erfreulich gesundes Vitamin- und mineralhaltiges Gemüse. Ja, es hat immer wieder Menschen dazu angeregt, Loblieder auf die Kartoffel zu singen. Sogar Wodka lässt sich aus Kartoffeln herstellen. Na, denn, „Prost“ auf diese Knolle. Marie-Luise Hoppe Kantüffeln, Tüften, Erdäpfel ... Kartoffeln - vom „Brot der Armen“ zum Volksnahrungsmittel Ernst und Elfriede Deike aus Neuenwalde bei der Kartoffelernte. Während der Kartoffelernte war die ganze Familie auf dem Feld. „Buddy Holly Story“ CUXHAVEN. Am Montag, 16. November, wird Cuxhaven ab 20 Uhr zu „Rock’n’Roll City“, wenn die Stars aus dem bekannten Musical „Buddy - Die Buddy Holly Story“ die Bühne im Stadttheater Nach ausverkauften Gastspielen von Sylt bis München sind die Musiker des Musicals „Buddy - Die Buddy Holly Story“ mit ihrem eigenen Programm endlich in Cuxhaven zu erleben. Eintrittskarten im Vorverkauf in der Kulturinformation Telefon (0 47 21) 6 22 13 und www.cuxhaven.de/tickets. ku/Foto: Zeyen


151028_CUK
To see the actual publication please follow the link above