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18. 03. 2015 STADT& LAND KURIER 17 CUXHAVEN. Es naht ein Ereignis, das Astronomie-Interessierte dazu veranlasst, sich freizunehmen und alle ihre besten Geräte bereitzustellen: Am Freitag, 20. März, ist von Cuxhaven aus eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Die Max-Koch-Sternwarte in den BBS Cuxhaven verlegt daher ihren Tag der offenen Tür - sonst üblicherweise am Tag der Astronomie (21. März) - einen Tag nach vorn und wird am Freitag von morgens an geöffnet haben. Die Sternenfreunde hoffen, dass auch viele Schulklassen die Gelegenheit wahrnehmen, einen Blick durchs Teleskop zu werfen und Zeuge eines Ereignisses zu werden, auf das danach wieder viele Jahrzehnte gewartet werden muss. Geöffnet ist ab 9 Uhr. Sonne wird zu 80 Prozent verdeckt sein Um etwa 9.30 Uhr berührt die Silhouette des Mondes die der Sonne, die er gegen 10.45 Uhr zu gut 80 Prozent verdecken wird. Kurz vor 12 Uhr ist die Sonnenfinsternis beendet. Mit bloßem Auge wird von ihr nicht viel zu spüren oder sehen sein. Allenfalls kann es in der Zeit etwas dunkler sein. Wobei streng davor gewarnt wird, ohne Schutz, womöglich noch mit Ferngläsern, in die Sonne zu schauen: Ohne spezielle Schutzbrille droht Erblindung. Entsprechende Hinweise werden an dem Tag auch in der Sternwarte angebracht sein. Bitte auch keine selbst präparierten Geräte mitbringen. Blick auf die Sonne durchs Teleskop Den Blick in die Sonne ermöglicht ohne Gefahren das neue Sonnenteleskop der Sternwarte. Das aus der Kuppel heraus aufgenommene Bild wird innen per Beamer auf eine Leinwand übertragen. Mitglieder der Sternwarte werden dazu die passenden Erläuterungen abgeben und Phänomene wie Eruptionen und Sonnenflecken erklären. Für den Fall, dass das Wetter nicht mitspielt, haben sie vorgesorgt: Im Notfall werden Livebilder befreundeter Sternwarten zu sehen sein. Auch Webcams können angesteuert werden. Wer lieber doch den direkten Blick wagen möchte, kann dies vom Dach der Sternwarte aus tun - bitte eigene Sonnenfinsternis Brillen mitbringen. Nach dem Ende der Sonnenfinsternis bleiben am Freitag die Türen der Sternwarte für alle Interessierten mindestens bis 20 Uhr geöffnet. So könnte sich die Sonnenfinsternis bei guter Sicht darstellen. Foto: dpa/Patrick Pleul Auf Wunsch sind Vorträge und Führungen zu erleben. Wer nicht live dabei sein konnte, kann die Sonnenfinsternis des Tages noch mal auf Video erleben. Finsternis wird auch im Video festgehalten Die Sternwarte hoch oben in den BBS ist über den Seiteneingang zu erreichen. Mitglieder des Vereins werden an blauen Westen erkennbar sein und laufend Besucher vom Schulhof aus zur Tür geleiten. Es soll auch ein Aufsteller auf die Sternwarte aufmerksam machen. In Cuxhaven erreicht die Sonnenfinsternis fast genau den gleichen Bedeckungsgrad wie bei der Sonnenfinsternis von 1999, die immerhin in Österreich und Bayern als totale Sonnenfinsternis mit sichtbarer Korona (Atmosphäre der Sonne, die wie ein Strahlenkranz um die verdeckte Sonne herum leuchtet) zu erleben war. „Diesmal sind wir in Norddeutschland gut dran“, grinsen Benjamin Rinna und Ulf Kellner vom Verein. Je südlicher, desto geringer wird diesmal der Bedeckungsgrad sein. Nächste Finsternis in Cuxhaven im Jahr 2048 Erst für unsere Nachfahren: Wie selten so ein Naturereignis eigentlich ist, zeigt der Blick in die Zukunft: Die nächste partielle Sonnenfinsternis ist von Cuxhaven aus erst wieder im Jahr 2048 zu beobachten (75 Grad Bedeckung), eine totale Sonnenfinsternis erst am 7. Oktober 2135 - allerdings schon um 8.40 Uhr, wenn die Sonne noch sehr flach ist. Da verspricht das Ereignis - abermals eine totale Sonnenfinsternis mit sichtbarer Korona - am 25. Mai 2142 noch spektakulärer zu werden. Da das allenfalls unsere Nachfahren erleben werden, haben die Sternenfreunde einen Trost parat: Ende September dieses Jahres, in der Nacht vom 27. auf den 28. September (Sonntag auf Montag), kann eine totale Mondfinsternis beobachtet werden. Dass das mitten in der Nacht, um 3 Uhr, geschehen wird, wird die Hobby Astronomen nicht davon abhalten, das Bett zu verlassen, denn ausgerechnet zu dieser Zeit ist der Mond der Erde sehr nah (Fachbegriff: Perigäum) und wird als riesiger leuchtend roter Ball erscheinen, der dann durch den Erdschatten verdeckt wird. Vorläufig freut sich das engagierte Team der Sternwarte aber auf viele Besucher am kommenden Freitag - so wie zuletzt beim Tag der offenen Tür anlässlich des 40-jährigen Jubiläums im vergangenen September oder beim Venus-Transit am 8. Juni 2004, wo 500 Gäste von der Sternwarte aus verfolgten, wie der Planet an der Sonne vorbeischwebte. Der Eintritt ist frei - ein kleiner Betrag für die Spendenbox könnte aber helfen, dass der Verein das Schiebedach der Sternwarte, das sich nur noch ein kleines Stück öffnen lässt, endlich reparieren lassen kann. Weitere Infos unter: www.sternwartecuxhaven. de Maren Reese-Winne Die Sonne verfinstert sich Ereignis vom Dach der BBS aus live verfolgen / Auf keinen Fall ohne Spezialbrille beobachten Beobachtungen vom Dach der Sternwarte werden - mit Spezialbrille - auch möglich sein, vor allem aber werden die Bilder des Sonnenteleskops drinnen per Beamer auf die große Leinwand übertragen. Foto: Reese-Winne Fällt der Strom aus? CUXHAVEN. Mit einem besonderen astronomischen Ereignis startet das Jahr 2015 in den Frühling (siehe links). Die Sonnenfinsternis beschäftigt seit Monaten die Betreiber der Stromnetze. Da es durch die Verdunkelung theoretisch zu Problemen bei der Stromversorgung kommen könnte, haben sie sich sorgfältig auf das Ereignis vorbereitet. Die EWE NETZ GmbH geht davon aus, dass mit den getroffenen Maßnahmen die Sonnenfinsternis keine spürbaren Auswirkungen auf die Stromversorgung haben wird. Dass überhaupt ein Zusammenhang zwischen Sonnenfinsternis und Stromversorgung besteht, hängt mit dem starken Ausbau der Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) zusammen. „PV-Anlagen produzieren Strom durch die Einstrahlung der Sonne. Je mehr Sonnenstrahlen auf eine solche Anlage treffen, umso höher ist die Stromproduktion“, erläutert Torsten Maus, Geschäftsführer der EWE NETZ GmbH. „Wenn sich am 20. März die Sonne verfinstert, geht in kurzer Zeit der Strom, den die PV-Anlagen produzieren, stark zurück und zum Ende der Sonnenfinsternis kommt es zu einem extrem schnellen Anstieg der produzierten Strommenge. Diese Schwankungen entsprechen der Leistung von mehreren Großkraftwerken.“ Experten rechnen während der Sonnenfinsternis bei klarem Himmel mit einem Rückgang der Stromproduktion von rund zwölf Gigawatt. Dabei ist weniger die verringerte Stromproduktion das Problem. Diese lässt sich durch andere Kraftwerke ausgleichen, die an diesem Tag bereitstehen. Problematisch ist jedoch die Schwankung, zu der es dabei in relativ kurzer Zeit kommen kann. „Bei klarem Himmel ist die Sonnenfinsternis eine echte Herausforderung für die Kraftwerksregelung“, sagt Torsten Fröhlking, bei der EWE zuständig für die Planungen mit denen sich EWE NETZ auf diesen Tag besonders vorbereitet. So wird das Personal in der Netzleitstelle aufgestockt und alle Wartungsarbeiten ruhen in dem kritischen Zeitraum. ku


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