Veränderung der Bestattungskultur. Viele Grabstellen bleiben leer.

Der Basbecker Friedhof: Rechts im Bild lassen sich die neu angelegten Urnenfelder gut erkennen - etwa 80 Prozent der Bestattungen sind heute Urnenbeisetzungen. Links ist zu erkennen, wie der "Leerstand" auf dem Friedhof größer wird.  Foto: Schult

Der Basbecker Friedhof: Rechts im Bild lassen sich die neu angelegten Urnenfelder gut erkennen - etwa 80 Prozent der Bestattungen sind heute Urnenbeisetzungen. Links ist zu erkennen, wie der "Leerstand" auf dem Friedhof größer wird. Foto: Schult

KREIS CUXHAVEN. Zur allmonatlichen Kirchenkreiskonferenz, dem Treffen aller hauptamtlichen Mitarbeiter im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln, hatte Superintendent Jörg Meyer-Möllmann einige Gesprächspartner eingeladen.

Die Bestatter Arno und Tim Algie aus Hemmoor, Lore und Hermann Hinck aus Otterndorf sowie Johannes und Helmut Schulz aus Cuxhaven informierten über Veränderungen im Bestattungswesen und traten mit den Pastoren in den Dialog. Schnell wurde klar, dass seit der Abschaffung des Sterbegeldes durch die Krankenkassen im Jahr 2003 eine Veränderung der Kundenwünsche eingetreten ist. Vielfach ist seitdem der finanzielle Aspekt in den Vordergrund gerückt, zahlreiche Familien können sich eine Bestattung, deren Kosten sich durchschnittlich auf 4000 bis 6000 Euro belaufen, nicht mehr leisten. So suchten sich die Angehörigen andere Wege, wie etwa anonyme Urnenbeisetzungen oder Friedwälder, um die Kosten für die Grabpflege einzusparen. Hier hätten die Kirchen stellenweise sehr unsensibel reagiert und wären zu wenig auf die Wünsche der Angehörigen eingegangen, war die einhellige Meinung der Bestatter. Ein weiteres Problem sei, dass selbst Menschen, die eine Rücklage für ihre Beerdigung angelegt haben, diese bis auf das geschützte Schonvermögen aufbrauchen müssen, etwa zur Deckung von Pflegekosten. "Da ergibt es schon fast keinen Sinn mehr, für das eigene Grab zu sparen, wenn am Ende doch das Sozialamt dafür aufkommt", gab Helmut Schulz zu bedenken.

Singen ist nicht mehr zeitgemäß

Aber auch die Erwartungen und Vorstellungen an eine Trauerfeier hätten sich verändert. Häufig kämen eigene Musikwünsche hinzu und vor allen Dingen die Bereitschaft zum Singen in der Kapelle habe stark abgenommen, so Lore Hinck. Bei den Terminwünschen für eine Trauerfeier sind der Sonnabend und gelegentlich der Sonntag mittlerweile stark nachgefragt, da Angehörige häufig von weit her anreisen müssten. Sorge bereitet Bestattern und Pastoren der Trend, eine Beerdigung im engsten Familienkreis durchzuführen. Hier würde Freunden, Nachbarn und ehemaligen Kollegen die Möglichkeit genommen, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden. Außerdem sei es wichtig, die Trauer mit anderen zu teilen, die stärkende Gemeinschaft sei nicht zu unterschätzen, sagte Schulz.

Den Kirchengemeinden gaben die Bestatter mit auf den Weg, angenehmere Räume für die Trauer zu schaffen. Die Friedhofskapellen seien häufig zu kalt und dunkel, die Kirchen für eine kleine Gesellschaft zu groß. Dort fühlten sich die Menschen verloren. Wünschenswert sei eine rechtzeitige Beschäftigung mit dem Thema Sterben, nur dann könnten Wünsche geklärt werden. ts

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