Einmal im Jahr zum Friseur. Günther Reuter aus Nordleda züchtet Alpakas.

Die jährliche Schur der Alpakas ist körperlich anstrengende Arbeit. Foto: Tonn

Die jährliche Schur der Alpakas ist körperlich anstrengende Arbeit. Foto: Tonn

NORDLEDA. Alpakas sind sehr stressempfindlich. Was sie nicht kennen, beunruhigt sie. Es reicht schon, wenn der Tierarzt kommt. "Der muss sich dann vor ihrer Spuckerei in Acht nehmen", erklärt Züchter Günther Reuter.

Früher war Reuter in der Möbelbranche tätig. Heute ist der Nordledaer ein viel beschäftigter Rentner mit zahlreichen Hobbys. Eines von ihnen ist die Alpaka-Zucht, die ihn zum Landwirt gemacht hat. "Ich bin Mitglied im Alpaka-Zuchtverband. In Langen gibt es noch einen Züchter und in Misselwarden auch."

Damit angefangen hat er 2005. Die ersten beiden Tiere kamen mit dem Flieger direkt aus Chile. Eines von ihnen war tragend. "Da hatten wir bald eine Dreierbande." In Nordleda haben sich die Tiere schnell eingelebt. Sie sind genügsam und ruhig. Tagsüber sind die Alpakas auf der Weide. Abends kommen sie in den Stall. Alpakas fressen zusätzlich zum Gras noch Heu. "Das brauchen sie zur Verdauung. Es sind ja Wiederkäuer, so wie Kühe", sagt der Züchter.

"Mittlerweile besitze ich drei Hengste und drei Stuten. Wenn nach elf Monaten Junge zur Welt kommen, gebe ich sie meistens weiter", so Reuter.

Die Tiere gebären übrigens nur bei schönem Wetter. Sie können das steuern und die Geburt zurückhalten, wenn es regnet. Da Alpakas ihre Zunge nicht sehr weit herausstrecken können, ist ein Trockenlecken des Fohlens nicht möglich. Die Fohlen werden daher von der Sonne getrocknet.

Alpakas kosten so viel wie ein Pferd

Normalerweise bleiben die Jungen ein halbes Jahr bei der Mutter. Jedes Tier in der kleinen Herde hat seinen Namen. Alpakas können bis zu 25 Jahre alt werden. Ein Tier kostet etwa so viel wie ein Pferd. "Für die ersten Stuten habe ich je 8000 Euro gezahlt. Heute sind sie günstiger zu haben."

Einmal im Jahr muss das Fell der eigentlich ans Hochland der Anden angepassten Alpakas geschoren werden. Meistens passiert das in der Pfingstzeit. Dann kann es bis zum Winter wieder nachwachsen. Der erste Scherer kam von einer Farm in Chile. "Heute erledigt das ein Freund von mir", sagt Reuter. Das Scheren ist nicht so einfach. Manche legen sich still hin und lassen den Friseurbesuch über sich ergehen. Andere strampeln und schreien, was die Stimme hergibt. Gefährlich wird es, wenn die Tiere zutreten. Deshalb ist es besser, sie zu dritt zu scheren. Nach etwa zehn Minuten ist alles vorbei.

Reuter erinnert sich an die Anfänge: "Zu den Alpakas bin ich durch reinen Zufall gekommen. Meine Frau verarbeitet die Wolle zu allem, was man tragen kann. Meine Tochter hat mir davon einen Pullover gestrickt. Alpaka-Stoffe sind leicht und regulieren die Wärme." Auch Bettdecken kann man damit füllen. Joachim Tonn

Cuxhavener Nachrichten Niederelbe Zeitung Der Helgoländer CUXjournal Cuxtipps